Umgebindehaus-Geschichten
Warum kaufen sich Leute ein altes Umgebindehaus? Warum stecken sie viel Mühe, Zeit und Geld hinein, um es zu ihrem Lebensort zu gestalten? Warum halten sie ihm über viele Jahre die Treue, obwohl es fortwährender Pflege bedarf? Oft lassen sich die Gründe besser fühlen als erklären. 15 Geschichten – aufgezeichnet vom Mai 2011 bis Juni 2012 – berichten darüber. Die jüngsten stehen obenan. Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Mentalitäten werden vorgestellt. Die einen leben seit Jahren im Umgebinde, die anderen haben sich erst jüngst für eines der historischen Gebäude entschieden. Alle eint die ganz besondere Beziehung zu diesem Haustyp, die aus dem Herzen kommt.
Texte: Stefan Frohmader
Fotos: Jeannette Gosteli, René E. Pech
Von Spree-Athen zum Ökohof „Am Spreequell“
„Wir vermieten zwei Ferienwohnungen in einem denkmalgeschützen Umgebindehaus in Obercunnersdorf“, heißt es auf der Webseite von Dolores Weidner und Michael Tille. Die Ferienanlage ist aus dem Wohnhaus von Architektin Dolores Weidner hervorgegangen. Dieses Haus hatte die Berlinerin 1993 in die Oberlausitz gezogen.
Michael Tille und Dolores Weidner
(Juni 2012)
Oberbayerische Freude an „seltsamen Häusern“
Neugier trieb Familie Köster aus Oberbayern gleich nach der Wende kreuz und quer durch den Osten Deutschlands. Die vielen alten Häuser, die verfallen waren, schmerzten sie. In Sebnitz kauften sie ein Umgebindehaus, „das eigentlich nicht zu halten war“. Fast 20 Jahre Arbeit stecken inzwischen in dem familiären Feriendomizil.
Dorothee und Gunter Köster mit Ihren Kindern Helene und Mathilde
(Juni 2012)
Ein Mann für hoffnungslose Fälle
„Schaffertypen“ nennt Joachim Faitsch die Oberlausitzer. Als fleißiger, einfallsreicher Schwabe fühlt er sich wohl unter ihnen. Er selbst ist im Schwarzwald zu Hause. Seine Firma „Kulturbaustellen“ arbeitet im In- und Ausland. Vier Objekte sanieren er und sein Team in Zittau Hirschfelde. „Café im schiefen Haus“ soll später eines heißen.
Joachim Faitsch bei der Übergabe der Plakette „100. Haus“
(Juni 2012)
Merkwürdiger Fund hinter der Fußleiste
Wolfgang und Kathrin Domeyer – 800 Kilometer voneinander entfernt sind sie aufgewachsen, im Isergebirge haben sie sich kennengelernt, ein Umgebindehaus in Großschönau ist nun seit gut einem Jahrzehnt Lebensmittelspunkt und Lebensaufgabe. Während der Sanierung sorgte eine Entdeckung für Gänsehaut.
Wolfgang und Katrin Domeyer mit ihren Kindern Andreas und Astrid (Juni 2012)
Urgroßvaters Haus und Praxis in Holztönen
Gleich zwei Doppelstuben-Umgebindehäuser nennen Harald und Katrin Weickelt in Großschönau ihr Eigen. Das eine ist ihr Zuhause und stammt aus Familienbesitz. Das andere haben sie zur Therapiepraxis umgebaut. Katrin Weickelt ist Psychologische Psychotherapeutin. Einigen ihrer Patienten ist das Haus noch von früher vertraut.
Katrin und Achim Weickelt
(Dezember 2011)
„Das Umgebindehaus ist mein Leben.“
Seit gut vier Jahrzehnten wohnt Klaus-Dieter Füssel in Großschönau in einem geschichtsträchtigen Haus. Das hatte einem berühmten Musterzeichner für Damaste in dem Textildorf gehört. Umgebindebauweise und Geschichtsbezug interessierten den jetzigen Besitzer anfangs kaum, längst aber widmet er sich ihnen rührig und liebevoll.
Klaus-Dieter Füssel
(November 2011)
Landleben mit Schafen und Honigbienen
Eine ländliche Idylle haben die beiden Großstädter Bertram Knoll und Kerstin Kramer in Lauba gefunden. Sie leben seit 1993 auf einem alten Bauernhof. Seither hat das dortige Umgebindehaus viel seiner Ursprünglichkeit zurück gewonnen. Auch Scheunen, Bienenhaus und Schafstall bewahren die Urwüchsigkeit des Anwesens.
Kerstin Kramer und Bertram Knoll
(November 2011)
Eine Familienherberge mit Auszeichnung
Vier Kinder und acht Enkel – Hans-Peter und Heidi Nestler haben eine große Familie. Doch die lebt weit verstreut. Gottlob bietet das Umgebindehaus in Berthelsdorf genügend Platz für regelmäßige Treffen. Nicht zuletzt dafür haben Nestlers vor einem Jahrzehnt ein Brandruine gekauft und mehrjährig saniert. Und das sogar preisgekrönt.
Heidi und Hans-Peter Nestler
(November 2011)
Ein Haus sanieren in Familie
Wegziehen oder in der Oberlausitz bleiben? Ein schönes altes Umgebindehaus im Ort hat Stefan und Marleine Freitag aus Weifa die Entscheidung für ihre angestammte Heimat erleichtert. Die junge Familie kaufte das 200-jährige Gebäude. Bei dessen Sanierung seit 2010 hilft vor allem Vater Freitag, ein erfahrener Zimmermann.
Marleine und Stefan Freitag mit Tochter Elsa (Mai 2011)
Maulbeerbaumpapier für Lehmwände
Eine Technologie aus Korea überträgt Dr. Albrecht Huwe auf sein Umgebindehaus in Eibau: Er tapeziert die Lehmwände mit Maulbeerbaumpapier. Der Korea-Wissenschaftler von der Uni Bonn saniert seit 2006 das Gebäude. 2015 will er es mit seiner Frau als Alterssitz beziehen – und zugleich eine Pferdepension einrichten
Kunterbuntes Leben im Grünsteinhof
Zum Familienurlaub auf einem jahrhundertealten Bauernhof wollen künftig Stefanie und Thomas Kipke einladen. Ihr Umgebindehaus in Ebersbach ist nur zur knappen Hälfte für sie selbst und ihre beiden Jungs bestimmt. Das Gebäude, das sie seit 2008 sanieren, hat auch vier Ferienwohnungen mit 4-Sterne-Komfort erhalten.
Stefanie und Thomas Kipke mit ihren Söhnen Arthur und Alwin
Vom Schiffsmodell zum Dreiseithof
Seit gut 15 Jahren verändert der Dreiseithof von Karsten und Heike Richter in Ringenhain sein Gesicht. Besser gesagt: er erhält – verbunden mit heutiger Wohnqualität – sein historisches Aussehen zurück. Der Hausherr, einst ein leidenschaftlicher Modellbauer, vereint längst viele Bau- und Handwerksberufe in sich.
Karsten und Heike Richter mit ihren Kindern Anne und Tom
Sonniges Andalusien im Umgebinde
Nach vielen Jahren an Spaniens Mittelmeerküste haben sich Joachim Schmöhe aus Wuppertal und seine slowakische Frau Karin Mankosova in Seifhennersdorf angesiedelt. Das dort erworbene Umgebindehaus war eigentlich als Zukunftsprojekt gedacht. Doch schneller als geplant zogen um und brachten ein Stück Spanien mit.
Joachim Schmöhe mit seinen Söhnen Henoch und Shaiel
„Häuser gucken“ für die neue Lebensetappe
Obwohl Steffen und Angela Schwarz aus Aschersleben den Harz vor der Tür haben, zieht es sie in die Oberlausitz. In Oderwitz haben sie nach zweijähriger Suche im Internet und vor Ort ein 230 Jahre altes Umgebindehaus gekauft. Kastenschloss und Solardach – bei der jetzigen Sanierung verbinden sie Ursprünglichkeit mit Modernität.
Angela und Steffen Schwarz
Ein Archäologe fand eine Blockstube
Ein Thüringer und die Polin aus Danzig haben in der Oberlausitz ihre neue Heimat gefunden. Als Fachwerkhaus kauften Christian Tannhäuser und Anna Łukasiewicz-Tannhäuser ihr Wohngebäude in Melaune. Im Laufe der Erneuerung entpuppte es sich als Umgebindehaus. Entdeckungen liebt der Hausherr: Er ist Archäologe.
Christian Tannhäuser und Anna Łukasiewicz-Tannhäuser